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Anna Stern gewinnt den Schweizer Buchpreis 2020

Der diesjährige Schweizer Buchpreis geht an Anna Stern für den Roman »das alles hier, jetzt.« (Elster & Salis Verlag).

In der Begründung der Jury heißt es: »Anna Stern hat einem der ältesten Themen der Literatur eine völlig neue Form und unerhörte Töne abgewonnen. ›das aller hier, jetzt.‹ handelt vom Tod eines geliebten Menschen, und die Autorin erzählt mit großer experimenteller Kraft und zugleich mit hoher sinnlicher Intensität. Fast beschwörend wird die Vergangenheit wachgerufen und die Leserinnen und Leser in den Erinnerungsprozess einbezogen. Das Erzählverfahren ist höchst originell. Nicht nur kommt der Text über die gesamte Strecke ohne jede Gender-Fixierung der Figuren aus, es ist auch ein Roman in zwei Spuren: auf den linken Buchseiten die Gegenwart der Trauer, rechts die erinnerte Vergangenheit einer gemeinsamen Kindheit und Jugend – bis alles auf ein fulminantes Roadmovie-Finale zusteuert. Ein gleichermaßen intimer wie kunstvoller Roman über zutiefst menschliche Erfahrungen.«

Das Preisgeld beträgt 30.000 Franken, die weiteren Nominierten erhalten je 3.000 Franken. Die öffentliche Preisverleihung im Theater Basel war coronabedingt abgesagt worden. Die Verleihung am 8. November wurde in einer Sondersendung auf SRF2 übertragen. »das alles hier, jetzt.« ist einer von fünf Titeln, die die Jury im September aus 83 eingereichten Romanen und Essays von Schweizer Autorinnen und Autoren nominiert hat.

Mitglieder der Jury für den Schweizer Buchpreis 2020 waren: Tommy Egger (Buchhändler, Buchhandlung im Volkshaus); Daniel Graf (Kulturredakteur Republik; Jurysprecher), Annette König (SRF-Literaturbloggerin); Christine Richard (freie Kritikerin); Hubert Thüring (Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Basel). Die Expertenjury wird regelmäßig personell erneuert.

Hintergrundinformationen zum Buch und zur Autorin:

In ihrem bisher persönlichsten Roman »das alles hier, jetzt.« erzählt Anna Stern vom Umgang mit dem plötzlichen Tod eines geliebten Menschen. Im dichten lyrischen Stil geht sie der Beschaffenheit der Vergangenheit und der trügerischen Authentizität von Erinnerungen auf den Grund und entwirft dabei eine Poetologie des Verlustes.

Ananke stirbt jung nach kurzer Krankheit und hinterlässt im Freundes- und Familienkreis eine unerträgliche Lücke. Der Tod wird für sie alle zur Leerstelle zwischen Sprachlosigkeit und Erinnerungsfragmenten. Gemeinsam trauern sie und flüchten sich in Erinnerungen an die vergangene Zeit, bevor sie sich aufmachen und einen befreienden Weg finden, mit dem Verlust umzugehen. Parallel zur Jetzt-Zeit montiert Anna Stern in schillernden Farben die Kindheit und Jugend von Ananke und die enge Verbundenheit der gesamten Gruppe.

»das alles hier, jetzt.« ist ein rasend schönes und zutiefst menschliches Buch über Familie, Freundschaft und Verlust, über das Erinnern und Aufgehen im Anderen, und ein weiterer Meilenstein im Schaffen einer der bemerkenswertesten Autorinnen der Schweiz.

Hier liest die Autorin eine Passage aus ihrem Roman.

Anna Stern, geboren 1990 in Rorschach, schreibt und doktoriert in Zürich. »das alles hier, jetzt.« ist ihr vierter und formal gewagtester Roman, ausgezeichnet mit dem Schweizer Buchpreis 2020. Zuvor erschienen »Wild wie die Wellen des Meeres« (2019, Roman, Salis), für den sie beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt 2018 den 3sat-Preis erhielt; »Beim Auftauchen der Himmel« (2017, Erzählungen, lectorbooks); »Der Gutachter« (2016, Roman, Salis) und »Schneestill« (2014, Roman, Salis). Anna Stern ist Förderpreisträgerin der St. Gallischen Kulturstiftung. 2019 zeichnete die Stadt Zürich ihr literarisches Werk aus.

www.annastern.ch