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April 2021

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

auch im April haben wir wieder viele Gründe zur Freude: »Zählen, Rechnen, Messen. Wie Zahlen uns helfen, die Welt zu verstehen« (Kleine Gestalten) ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 in der Sparte Sachbuch nominiert und »Antarktis« (E. A. SEEMANNs BILDERBANDE) wird mit dem EMYS-Jahrespreis 2020 ausgezeichnet.
Barbara und Stefan Weidle geben uns einen tiefen und spannenden Einblick in ihren Verlag und wir präsentieren viele neue Bücher, die in den nächsten vier Wochen erscheinen. Tauchen Sie mit uns ab!

Viel Vergnügen dabei & herzlich
Kirchner Kommunikation

Ausgezeichnet

Große Freude: »Zählen, Rechnen, Messen. Wie Zahlen uns helfen, die Welt zu verstehen« von Isabel Thomas, Raphael Honigstein, Robert Klanten und Maria-Elisabeth Niebius (Text) & Daniela Olejníková (Illustration) ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 in der Sparte Sachbuch nominiert.

Wir gratulieren Giulia Vetri und E. A. SEEMANNs BILDERBANDE: Der EMYS-Jahrespreis 2020 geht an das Sachbilderbuch »Antarktis«!

Das ist ...

… der Weidle Verlag: Barbara und Stefan Weidle

Entgegen dem Trend hin zum immer Mehr halten Sie daran fest, in jedem Programm nur zwei Titel oft passend zum jeweiligen Gastlandauftritt auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt zu veröffentlichen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wir haben vor einigen Jahren mal wieder Bilanz gezogen und festgestellt, daß mehrere Titel, die uns sehr am Herzen lagen, durch die locker gestrickten Maschen des Buchhandels gefallen sind. Sie wurden als »Weglaßtitel« apostrophiert und entsprechend behandelt. Dasselbe galt (und gilt) für die Presse: Ein Verlag unserer Größenordnung hat sowenig Anspruch darauf, daß alle Titel des jeweiligen Programms besprochen werden, wie ein Großverlag, also würde immer wieder ein Titel untergehen, den wir nicht intensiv genug betreuen können. Für zwei Titel pro Halbjahr können wir aber auch mit unserer kleinen Mannschaft einiges tun, können mehr Energie und Zeit für Vertrieb und PR aufwenden. Und dabei noch unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern – seit ein paar Jahren arbeiten wir intensiv daran, so nachhaltig und ressourcenschonend wie irgend möglich zu produzieren. Nicht jedes Buch muß unbedingt auf die Welt kommen, um dortselbst größtes Desinteresse zu wecken.

Die Gastländer helfen uns bei der PR, sie bringen meist die Autoren nach Deutschland, erobern Räume in Presse und Rundfunk, sogar in den Konzernbuchhandlungen, gleichzeitig bieten sie uns den willkommenen Anlaß, uns mit dem jeweiligen Land und seiner Literatur intensiv zu beschäftigen. Als man noch reisen konnte, waren wir auch live und in Farbe in den Ländern, sprachen mit Autoren und Kollegen und lasen, was das Zeug hielt. Wir publizieren ja nicht nur ein Buch zum Gastland, sondern meist ist das der Auftakt  einer längeren Beziehung. Zu Portugal (Gastland im virtuellen Leipzig) haben wir zwei Bücher von Isabela Figueiredo herausgebracht, und zu Kanada erscheint der zweite Titel von Edem Awumey im Herbst, leider außerhalb des Gastlandprogramms, aber der Autor kommt im September zum ilb nach Berlin.

2020 hat der Weidle Verlag seinen 25. Geburtstag gefeiert. Worauf blicken Sie am liebsten zurück?

»I don't fuck much with the past, but I fuck plenty with the future«, dekretiert Patti Smith. Wir würden uns vielleicht eine Spur vornehmer ausdrücken, aber irgendwie hat sie ja auch recht. Es gibt viele Titel, auf die wir sehr stolz sind, und nur ganz wenige, für die wir uns schämen (ich wette, für letzteres interessieren sich mehr Leser als für ersteres, aber darüber schweigen wir). Ich, Stefan, werde nie den Augenblick vergessen, als der Liefer-LKW die Palette mit dem »Helianth« von Albrecht Schaeffer ablud. Das war tatsächlich schon 1995, und es ist bis heute unser umfangreichstes Werk (3 Bände, knapp 2000 Seiten). Ich riß ein wenig zu ungeduldig an den Fixierbändern der Palette und schnitt mich ganz ordentlich in den Finger. Auf das erste aufgerissene Exemplar tropfte Blut, und ich fand dieses Bild eigentlich ganz stimmig. Barbara allerdings weniger, sie holte Pflaster. Seit damals kommen diejenigen, die an dem Opus magnum mitgearbeitet haben, alljährlich am Geburtstag Schaeffers zusammen, lesen im Wechselgesang Passagen aus dem Werk und trinken auf die einzelnen handelnden Figuren, von denen es gut 100 gibt. Das muß an Rückschau (und Kater) dann reichen fürs Jahr. Inzwischen könnten wir auch auf fast 200 Publikationen trinken, doch das ersparen wir uns. Weiterhin aber wird jedes neue Buch gebührend begrüßt, und ein paar Jahre bleibt das auch noch so.

Vielleicht eines noch: 2005 bekamen wir den Kurt Wolff Preis, und auch darauf schauen wir gerne zurück, ich, Stefan, allerdings getrübt, denn ich hatte bei der Verleihung knapp 40 Grad Fieber und erinnere mich an kaum etwas. Ich wollte eine flammende Dankesrede halten, hatte aber, weil ich mir nie was aufschreibe, keine Notizen gemacht, was sich deutlich als Fehler erwies.

Und können Sie uns denn auch schon einen Ausblick auf den Herbst 2021 geben?

Gerne! Zum einen erscheint ein weiterer Roman des kanadischen, aus Togo stammenden Autors Edem Awumey mit dem Titel »Die schmutzigen Füße«, wiederum aus dem Französischen übersetzt von Stefan. Eine fast mythisch anmutende Suche eines mit seinen Eltern aus Mali geflohenen Mannes nach seinem auf der Flucht verlorenen Vater im nächtlichen Paris. Der Roman kam 2009 auf die Shortlist für den Prix Goncourt, und wenn es nach uns ginge, hätte er gewonnen. Aber uns hat damals niemand gefragt (daran hat sich seither übrigens nichts geändert). Unser zweiter Titel ist eine echte Sensation, wir bringen den 1937 zuerst erschienenen Roman »Die Schwimmerin« von Theodor Wolff neu heraus! Ein so präziser und atmosphärisch dichter Blick auf den Ausgang der Weimarer Republik und die ersten Jahre des Exils ist uns noch nie begegnet. Was kein Wunder ist, denn Wolff war der wichtigste Journalist dieser Zeit, Chefredakteur des »Berliner Tageblatts«; durch den nach ihm benannten Preis ist er noch immer bekannt. Der Roman handelt von der Liebe eines alten (politisch passiven) Mannes zu einer jungen (politisch aktiven) Frau, und sowenig der Roman, was Wolff anlangt, autobiographische Züge trägt, so sehr ist doch in der jungen Frau die Widerstandskämpferin und russische Spionin Ilse Stöbe verewigt. Mehr zu ihr gibt es bei Wikipedia (und an dem Denkmal für sie in Berlin). Der Roman bekommt ein Nachwort von Ute Kröger und einen Einband von Kat Menschik, etwas Besseres kann einem Buch nicht passieren, außer auch noch von Friedrich Forssman gestaltet zu werden (was der Fall ist). Leider haben wir im Herbst keinen Weglaßtitel anzubieten. Aber hatten wir das je???

Foto: © privat

Das kommt

Besuchenswert

19. AprilDussmann Online-Veranstaltung mit Hildegard E. Keller über die Entstehung ihres Romans »Was wir scheinen« (Eichborn).

Digitale Buchpremiere am 28. April: Ina Schmidt spricht ab 19 Uhr im digitalen Live-Stream mit Christoph Bungartz über »Die Kraft der Verantwortung« (Edition Körber).

Sehens-, hörens- und lesenswert