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Dezember 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum Jahresende geben wir schon einmal einen kleinen Ausblick auf das Frühjahr 2019. Dann erwarten Sie unter anderem die folgenden sechs Neuerscheinungen aus der Edition Körber, dem Berenberg Verlag, dem Literaturverlag Droschl, dem Weidle Verlag, dem Elster Verlag und von den kunstanst!ftern.

Wir wünschen schöne Feiertage – kommen Sie gut ins neue Jahr!

Mit freundlichem Gruß

Kirchner Kommunikation

Jens Balzer: Pop und Populismus. Über Verantwortung in der Musik (Edition Körber, ET Mai 2019)

Jens Balzer sieht Parallelen zwischen den hasserfüllten Texten in der populären Musik und der politischen Debatten-Unkultur. Die Behauptung, »nur Musik« machen zu wollen, verfängt nicht: Wer so viele, gerade junge, Menschen erreicht und zur Identifikation einlädt, erklärt er, hat auch die Pflicht, über die politischen Aspekte seiner Kunst nachzudenken. Balzer ist zugleich bewusst, dass Pop ohne Provokation, ohne das Spiel mit Tabubrüchen nicht vorstellbar ist. Doch auch wenn man keinen PC-Pop will, heißt das nicht, dass man Verrohung, brutalen Sexismus und explizite Aufrufe zur Gewalt widerspruchslos hinnehmen muss. An vielen Beispielen – vom Echo-Skandal bis zur Debatte über »cultural appropriation« im Pop – zeigt Jens Balzer, wie schwierig es geworden ist, zwischen populär und populistisch zu unterscheiden. Doch Popkultur ist Massenkultur, und darum müssen wir uns über ihre roten Linien verständigen.

Benjamin Balint: Kafkas letzter Prozess (Berenberg Verlag, ET 05. März 2019)

Der berühmteste Koffer der Literaturgeschichte hätte es beinahe nicht geschafft. Max Brod hatte ihn bei sich, als er 1939 mit dem letzten Zug von Prag nach Palästina floh. Im Koffer: Manuskripte, Notate, Kritzeleien von Brods Freund Franz Kafka. So romanhaft, wie diese Geschichte beginnt, geht sie Jahrzehnte später auch weiter, und zwar als veritabler Gerichtskrimi, der erst 2016 in Jerusalem abgeschlossen wurde. Vordergründig wurde über den Nachlass von Max Brod entschieden. Schnell aber wurde klar, dass hier ganz andere Dinge verhandelt wurden. War Kafka vor allem ein jüdischer Autor? Wo ist sein Erbe richtig aufgehoben? In Israel? Oder in jenem Land, in dessen Namen Kafkas Familie einst ausgelöscht wurde? Benjamin Balint erzählt diese filmreife Geschichte, die nicht nur zeigt, weshalb die Frage, welcher Literaturnation Kafka zuzurechnen sei, zum Glück nie entschieden werden kann.

Tomer Gardi: Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück (Literaturverlag Droschl, ET 08. Februar 2019)

Tomer Gardi schreibt eine moderne Scheherezade-Geschichte im heutigen Israel. Verspielt in Ton und Form, doch bitterernst im Kern.
Ausgangspunkt ist ein Schriftsteller, der beim Arbeitsamt um Unterstützung ansucht und auf Widerstand stößt. Findig wie er ist, schlägt der Autor einen Deal vor: Er erzählt dem Mann hinterm Schreibtisch eine Geschichte und bei Gefallen erhält der Schriftsteller den Stempel. So beginnt das Erzählen ums Überleben in dem Tomer Gardi unvergessliche Figuren zeichnet, die im Alltag der Staatsgewalt ausgesetzt sind und sich auf die je eigene Weise ihre Wege bahnen müssen. Aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt hat ihn Anne Birkenhauer.

Mustafa Khalifa: Das Schneckenhaus. Tagebuch eines Voyeurs (Weidle, ET April 2019)

Musa, der junge syrische Absolvent der Pariser Filmhochschule, kommt nach sechs Jahren in Frankreich am Flughafen von Damaskus an und wird bei der Einreise festgenommen und in eine Abteilung des Geheimdiensts gebracht, wo er sofort gefoltert wird. Das geschieht Anfang der 1980er Jahre und sollte die erste Station einer dreizehnjährigen Reise durch die Hölle werden. Man wirft Musa vor, der verbotenen Muslimbruderschaft anzugehören, obwohl er getaufter Christ ist und Atheist dazu. Es gibt weder eine Anklage noch eine Gerichtsverhandlung. In dem schlimmsten aller Gefängnisse, dem Wüstengefängnis bei der Oasenstadt Palmyra (arabisch Tadmur), gerät er zwischen die Fronten der dort inhaftierten Muslimbrüder, die ihn als Ungläubigen töten wollen, und den Wärtern, die ihn schlagen und foltern. Er überlebt, indem er sich in sich selbst wie in ein Schneckenhaus zurückzieht und durch ein Loch in der Wand die Vorgänge im Gefängnishof beobachtet. Er führt ein Gedankentagebuch, das er nach seiner Freilassung zu Papier bringt, um den Terror zu dokumentieren und die Erinnerung an die Gefangenen und Ermordeten wachzuhalten.

Jorge Zepeda Patterson: Milena oder der schönste Oberschenkelknochen der Welt (Elster Verlag, ET 21. Januar 2019)

Mit sechzehn verlässt Alka Mortiz ihr kroatisches Heimatdorf, um sich in Berlin ein Leben als Kellnerin aufzubauen. Die Reise endet kurz hinter Zagreb, wo sie der russisch-ukrainischen Mafia ins Netz geht. Sie wird gequält, eingeschüchtert und als »Milena« in die Zwangsprostitution durch verschiedene Länder und Kontinente verschleppt, ein Spielball männlicher Gier und Machtsucht. Nur ihr eiserner Überlebenswille und die Geschichten über ihre Kunden, die sie heimlich in ihr Notizbuch schreibt, bewahren sie vor der endgültigen Kapitulation. Jorge Zepeda Patterson führt uns quer durch Europa nach Amerika, entlang der gewaltigen Netzwerke von Kapital, Daten und Verbrechen, die unsere globalisierte Welt verbinden. In Milena begegnen wir einer unvergesslichen Frau, die uns daran erinnert, dass die Opfer der modernen Missstände nicht bloße Statistik, sondern Individuen aus Fleisch und Blut sind.

Mehrdad Zaeri (Illustration) & Katharina Günther-Keßler (Text): Vögel der Nacht. Acht absonderliche Nachtgeschichten (kunstanst!fter, ET 31. Januar 2019)

Eine hinreißende Bordsteinschwalbe preist lispelnd ihre Liebesdienste an, ein depressiver Laufvogel rennt vor sich selbst und seinem Kummer davon, eine zum Platzen angespannte Nachtwachtel ergeht sich in grimmigen Tiraden und sehnt sich doch nur nach ein bisschen Anerkennung … Schonungslos, aber auch hintergründig, humorvoll und zart erzählt Katharina Günther-Keßler in Gedichten und Prosatexten von acht allzu menschlichen »Vögeln der Nacht« – ihren Abgründen, ihren Nöten und ihren Eitelkeiten. Gemeinsam ist diesen schrägen Tieren vor allem eines: dass sie die Bühne der Großstadt erst nach Sonnenuntergang betreten, wo sie im Schutze der Dunkelheit und in den unerschöpflichen Räumen der Phantasiewelt ihre Geheimnisse und Sehnsüchte offenbaren. Der Bilderkünstler Mehrdad Zaeri hat die Texte mit poetischen Zeichnungen versehen.