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Juli 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Buchmesse rückt näher und mit ihr das Ehrengastland Georgien. Wir nehmen Sie mit auf eine literarische Reise in den Kaukasus, mit Titeln georgischer Autorinnen und Autoren aus dem Alfred Kröner Verlag, dem Dörlemann Verlag, der edition.fotoTAPETA, Voland & Quist und aus dem Weidle Verlag.

Mit einem freundlichen Gruß von
Kirchner Kommunikation

Tschabua Amiredschibi: Data Tutaschchia. Der edle Räuber vom Kaukasus (Alfred Kröner Verlag, ET Juli 2018)

Als Data Tutaschchia als Gesetzloser in den Untergrund geht, schreibt man das Jahr 1885. In Georgien, als Teil des Russischen Zarenreichs, toben die Vorboten der Oktoberrevolution, die dem Land letztlich die Unabhängigkeit bringen wird. Die Politik ist dabei nicht die Sache des Räubers mit der magischen Aura; was ihn umtreibt, sind der Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der Menschen, gegen die er kämpft bis aufs Blut und an denen er zu verzweifeln droht. Den Behörden kann er immer wieder ein Schnippchen schlagen. Doch er hat einen mächtigen und klugen Widersacher. Am Ende klüger als er?

Data Tutaschchia, der edle Räuber, dessen Heimat die Wälder und die Berge Georgiens sind, ist in seinem Land zum Nationalhelden geworden, der Roman sofort nach seinem Erscheinen 1971–75 (in der Zeitschrift Ziskari) zum Sensationserfolg. Bis heute gilt er als wichtigster Roman der georgischen Gegenwartsliteratur.

Tschabua Amiredschibi (1921–2013) ist einer der Kultautoren der georgischen Gegenwartsliteratur. Erstmals aus dem Georgischen ins Deutsche übersetzt hat den Roman Kristiane Lichtenfeld.

Dawit Kldiaschwili: Samanischwilis Stiefmutter (Dörlemann Verlag, ET September 2018)

Bekina Samanischwili, ein rüstiger Alter, will nach dem Tod seiner Frau erneut heiraten und bringt damit seinen Sohn Platon in Schwierigkeiten, der befürchtet, sein karges Erbe mit einem Halbbruder teilen zu müssen. Platon beschließt, für den Vater eine Frau zu finden, die ihn gegen jedes Risiko absichert: Eine zweifach verwitwete kinderlose ältere Frau soll es sein. Nachdem er von seinem lebenslustigen Schwager Kirile von Gelage zu Gelage geschleppt wird, gerät er an den zwielichtigen Aristo. Dieser macht ihn mit einer Verwandten bekannt, die den Kriterien entspricht. Überglücklich führt Platon die Braut seines Vaters heim. Doch dann wird die Stiefmutter Elene trotz allem schwanger, und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Dawit Kldiaschwili (1862–1931) ist einer der herausragenden Schriftsteller des ausklingenden kritischen Realismus in Georgien. Rachel Gratzfeld hat »Samanischwilis Stiefmutter« ins Deutsche übersetzt.

Irma Tavelidse: Die Erfindung des Ostens (edition.fotoTAPETA, ET Oktober 2018)

Langsame, verführerische Erzählungen, die zwar den Erinnerungen folgen, den ganz persönlichen Erinnerungen (jede Erinnerung ist persönlich) – die aber doch durchdrungen sind von der Zeitgeschichte und der Atmosphäre eines eigentümlichen alten Landes.

Die Autorin Irma Tavelidse ist eine meisterhafte Stimme in der Literatur Georgiens: »Die Erfindung des Ostens« stand 2014 auf der Shortlist für den SABA, den wichtigsten georgischen Literaturpreis. Nun erscheinen die Erzählungen in der Übersetzung von Iunona Guruli erstmals auf Deutsch. Irma Tavelidse lebt und arbeitet als Schriftstellerin und Übersetzerin in Tiflis.

Abo Iaschaghaschwili: Royal Mary. Ein Mord in Tiflis (edition.fotoTAPETA, bereits erschienen)

Für seinen zweiten Roman »Royal Mary« wurde Abo Iaschaghaschwili 2015 mit dem SABA, dem wichtigsten georgischen Literaturpreis, ausgezeichnet. Der Roman spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Tiflis. Die Stadt an der Kura ist ein Schmelztiegel der Kulturen, hier treffen die Interessen der Weltmächte aufeinander, umkreisen sich deutsche, englische und österreichische Spione. Royal Mary ist das beste Rennpferd der Stadt und soll dem persischen Schah geschenkt werden. Doch dann wird das Pferd gestohlen und die Stadt von einer Mordserie erschüttert. Mit Witz und Virtuosität beschwört Abo Iaschaghaschwili die Atmosphäre der Stadt, ihre georgischen, armenischen, russischen und jüdischen Bewohner, ihre Gäste, Plätze, Kaschemmen und Gerüche. »Royal Mary«, aus dem Georgischen von Lia Wittek, verbindet Krimi und Roman, Politik und Poesie, Fiktion und Realismus, comichaft Überzeichnetes und naturalistisches Detail. Und ganz nebenbei erzählt Iaschaghaschwili auch von Mord und Totschlag, von orientalischen Herrschern und westlichen Agenten.

Gela Tschkwanawa: Unerledigte Geschichten (Voland & Quist, ET September 2018)

»Papa Carlo«, der mit seiner Familie nach dem Massaker von Sochumi 1993 aus Abchasien vertrieben wurde, erzählt uns die unerledigte Geschichte seines Stiefvaters Reso: Der will in Sochumi das Grab seiner ersten Frau, Papa Carlos Mutter, besuchen und nimmt dafür eine verantwortungslose und lebensgefährliche Reise auf sich. In ständiger Sorge um seinen Stiefvater aktiviert der Erzähler alle denkbaren Beziehungen diesseits wie jenseits der Grenze und wird dabei heimgesucht von immer wiederkehrenden Erinnerungswellen: an das Leben in Sochumi, die Geburt seiner Halbschwester Lali und an jenen Krieg, der so viele seiner Verwandten und Freunde das Leben gekostet hat.

Gela Tschkwanawa wurde 1967 in Sochumi (Abchasien) geboren. Nach Schulabschluss wurde er in die Armee eingezogen und kam zur Flieger- und Raketenabwehr in Leningrad; es war die Zeit, als Mathias Rust auf dem Roten Platz landete. Nach dem Heeresdienst kehrte er nach Sochumi zurück und studierte Philologie. Noch vor Studienende begann der Abchasien-Krieg. Tschkwanawas Haus verbrannte, zusammen mit seinen Manuskripten. Er lebt heute als Vertriebener in Achalkalaki. Viele seiner Erzählungen erschienen in russischer Übersetzung in der St. Petersburger Literaturzeitschrift »Newa« und in »Kreschatiki«. Er ist in Georgien mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet worden.

Aka Morchiladze: Der Filmvorführer (Weidle Verlag, ET August 2018)

Von einem Tag auf den anderen verschwindet Beso, der junge Chauffeur einer internationalen Organisation, aus Tiflis. Er lässt autobiographische Aufzeichnungen zurück, die vom Aufwachsen in einer kleinen westgeorgischen Stadt ab den 1970er Jahren erzählen. Und von der Freundschaft zum deutlich älteren Islam Sultanow, einem Fürsten, der bereits früh aus seinem Reich vertrieben wurde und nun in Besos Dorf ein isoliertes Dasein als Filmvorführer fristet. Beso ist der einzige, der den Kontakt zu dem Außenseiter sucht, und Islam hält fortan seine schützende Hand über den Jungen. Als Beso zum Militärdienst eingezogen wird, bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Er wird nach Afghanistan geschickt, in einen grausamen Krieg. Nur dank eines rätselhaften Zettels, den er von Islam bekommen hat, überlebt Beso. Zurück in seiner Heimatstadt, nimmt Beso eine bescheidene Anstellung im Heimatmuseum an, das von keinem Bewohner je besucht wird. Aber die Ruhe in Besos Arbeitsalltag trügt, die Umwälzungen im Zuge der Perestroika sind bereits im vollen Gange. Selbst in der Kleinstadt bildet sich eine Widerstandsgruppierung, die Beso um Unterstützung bittet. Ihm wird schnell klar, dass Politik nichts für ihn ist, und er versucht sich aus den Geschehnissen rauszuhalten. Dennoch gerät er unfreiwillig zwischen die Fronten – und erregt zugleich die Aufmerksamkeit der jungen Tamriko, in die er sich sofort verliebt. Doch Tamrikos Familie legt ihr Veto ein. Wieder hilft der Filmvorführer ... Eines Tages verschwindet Islam, der letzte Sohn des Khans von Kirbal. Und Beso wird es seinem alten Freund gleichtun ... Ist er ihm gar gefolgt?

Ein Roman, aus dem Georgischen übersetzt von Iunona Guruli, über eine ungleiche Freundschaft in chaotischen Zeiten und über ein Stück archaische Vergangenheit, das sich in dieser Welt behauptet.

Aka Morchiladze (1966 in Tiflis geboren) ist einer der meistgelesenen Autoren Georgiens. Er studierte Georgische Geschichte an der Staatlichen Universität Tiflis; anschließend lehrte er dort als Dozent. Außerdem arbeitete er viele Jahre als Journalist. Insgesamt veröffentlichte er zwanzig Romane und drei Sammlungen mit Kurzgeschichten. Seine Bücher wurden in Georgien zu Bestsellern und teilweise verfilmt. Aka Morchiladze wurde fünfmal mit dem wichtigen georgischen Literaturpreis SABA ausgezeichnet, zuletzt 2012. »Der Filmvorführer« stammt aus dem Jahr 2009. Aka Morchiladze wird auf der Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit Nino Haratischwili die Eröffnungsrede zum Gastlandauftritt Georgiens halten.

Aka Morchiladze: Reise nach Karabach (Weidle Verlag, soeben erschienen)

»Reise nach Karabach« ist ein spannender Roadtrip, der Anfang der Neunzigerjahre zwei junge Georgier in einem Lada nach Aserbaidschan führt. Tiflis 1992: Die Regierung von Swiad Gamsachurdia ist zerbrochen, der Präsident außer Landes geflohen. Es herrscht Anarchie, paramilitärische Einheiten der Sakartwelos Mchedrioni (Georgische Reiter) patrouillieren durch Tiflis. In dieser Situation lässt sich der junge Georgier Gio von seinem ausgeflippten Freund Gogliko dazu überreden, in seinem Lada mit ihm nach Aserbaidschan zu fahren. Dort wollen sie günstig Drogen einkaufen und nach Georgien schmuggeln. Der Plan ist, noch am selben Abend zurück zu sein. Die Verhältnisse in der Region sind jedoch verworren, Bürgerkrieg und Chaos erschweren und erleichtern zugleich ihr Vorhaben. Gio und Gogliko müssen zahlreiche Grenzen und Straßensperren passieren, Mittelsmänner aufsuchen und zu allem Überfluss den richtigen Weg durchs dunkle Niemandsland finden. Als sie die Orientierung völlig verloren haben und plötzlich auf sie geschossen wird, nimmt der Ausflug eine spannende Wendung …

Iunona Guruli hat »Reise nach Karabach« aus dem Georgischen ins Deutsche übertragen.

 Zurab Karumidze: Dagny oder Ein Fest der Liebe (Weidle, bereits erschienen)

Zurab Karumidze ist einer der wichtigsten Schriftsteller Georgiens, »Dagny oder Ein Fest der Liebe« ein wildes postmodernes Spiel über die Liebe, die Literatur und Georgien. Zentrale Figur ist Dagny Juel, die es wirklich gab und die am 4. Juni 1901 in Tiflis erschossen wurde. Juel war Norwegerin, sie lernte Edvard Munch kennen und wurde sein Modell (u. a. für die berühmte »Madonna«). Später traf sie auf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanislaw Przybyszewski, mit dem sie zum Berliner Künstlerkreis um die Kneipe »Das Schwarze Ferkel« gehörte. Dagny Juel hat Gedichte und kurze Dramen geschrieben, die Karumidze immer wieder zitiert; diese wurden für die deutsche Fassung von Lars Brandt aus dem Norwegischen übersetzt.

Wer tritt sonst noch auf? Zunächst der Mystiker Georges Gurdjieff und der Dichter Wascha-Pschawela. Weiter ein sprechender Rabe vom Saturn, der Maler Niko Pirosmani, ein tibetanischer Schamane und viele andere. Sie alle nehmen an einem »Fest der Liebe« teil, das dann gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen wird. Und natürlich spielt das georgische Nationalepos, »Der Recke im Tigerfell« von Schota Rustaweli, eine wichtige Rolle.

Zurab Karumidze hat diesen Roman auf Englisch geschrieben, Stefan Weidle ihn ins Deutsche übersetzt.