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Mai 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

in diesem Jahr ist Norwegen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Wir möchten Ihnen passend dazu die folgenden sechs Titel aus dem Droschl Verlag, der edition.fotoTAPETA, dem Pendragon und dem Weidle Verlag empfehlen.

Mit einem freundlichen Gruß von
Kirchner Kommunikation

Thure Erik Lund: »Das Grabenereignismysterium« (Literaturverlag Droschl, ET: 23. August 2019)

Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich
Der Autor ist auf der Buchmesse in Frankfurt.

»Thure Erik Lund ist der größte Prosaautor meiner Generation. Er ist unglaublich wild.« (Karl Ove Knausgård)

»Das Grabenereignismysterium« ist eine Satire auf Norwegen und das Norwegischsein. Wild, skurril und böse – »ein Buch, das sich kein Norweger wünscht, wir aber alle verdienen«, heißt es in der Tageszeitung Dagens Nӕringsliv.
Mit einem Auftrag für das norwegische Kulturministerium beginnt Tomas Olsen Mybråtens Übel und Abstieg. Er soll ein Gutachten über Denkmäler verfassen, aber bereits während seiner Reisen durch das Land entbrennt in ihm ein ur-norwegisches Thema: der Konflikt zwischen dem unabhängigen Individuum und der Gesellschaft des kollektiven Miteinanders. Sein Unbehagen wird weiter geschürt, denn die Denkmäler sind zu touristischen Attraktionen verkommen.
Als der Geistesmensch und Eigenbrötler Tomas der Kulturministerin seine Ergebnisse vorstellt, wird das für beide ein einziges Desaster. Karrieren sind ruiniert. Tomas wird als Nestbeschmutzer gebrandmarkt und zu einer Persona non grata.

Thure Erik Lund wurde 1959 in Vikersund geboren und ist einer der innovativsten und renommiertesten Gegenwartsautoren Norwegens. »Das Grabenereignismysterium« (1999) ist die erste Übersetzung eines seiner Werke ins Deutsche. Der Roman erhielt 2000 den Sultprisen und wurde vom Dagbladet auf die Liste der 25 besten norwegischen Bücher der letzten 25 Jahre gesetzt.

Tor Ulven: »Ablösung« (Literaturverlag Droschl, ET: 23. August 2019)

Aus dem Norwegischen von Bernhard Strobel

»Näher an Beckett kommt in Norwegen keiner heran.« (Ellen Pollestad, Nordlys, 1993)

Tor Ulvens detailgenaue und konzentrierte Prosa erzeugt »visuelle Meditationen«, die alles Beschreib- und Wahrnehmbare bis ins Kleinste verbildlichen und ausleuchten.
In seinem einzigen Roman, »Ablösung«, erschafft Tor Ulven fünfzehn Bewusstheiten. Die Figuren befinden sich in unterschiedlichen Lebensphasen, von der Kindheit bis ins Greisenalter. Sie haben den Moment des Innehaltens und Stillstands erreicht und verfolgen eine »private Utopie«, sehnen sich nach etwas Unerreichbarem.
Die Namenlosen erinnern, träumen oder malen sich in Selbstgesprächen aus, was aus ihrem Leben hätte werden können oder was ihnen für ein glückliches Leben fehlt. Und so sind es die Abwesenheiten, die ihre Gedanken dominieren: eine geliebte Frau, ein vermisster Hund, Geld oder Gesundheit. Die individuellen Schicksale gleichen stillen Variationen von Sehnsüchten und Ängsten, Trauer und Verlust.

Tor Ulven wurde 1953 in Oslo geboren, wo er nahezu sein ganzes Leben verbrachte. Er begann als bildender Künstler, 1977 erschien dann sein erster Lyrikband. Nach einem Nervenzusammenbruch verließ er seine Wohnung kaum mehr. Erst gegen Ende der 80er Jahre veröffentlichte er wieder, zuerst eine Übersetzung von René Char (außerdem von Claude Simon und Samuel Beckett), danach Gedichte und ab 1990 nur noch Prosatexte. Er erhielt mehrere Literaturpreise, war ein bei Kolleg*innen, Kritiker*innen und Leser*innen angesehener, einflussreicher Autor und spielte in einer Band, die bei ihm zuhause probte. 1995 setzte er, mit 41 Jahren, seinem Leben selbst ein Ende.
Bei Droschl erscheint Ulven in der deutschen Übersetzung von Bernhard Strobel, bisher sind im Handel erhältlich: »Dunkelheit am Ende des Tunnels« (2012) und »Das allgemein Unmenschliche« (2014).

Stig Sæterbakken / Nino Vetri: »LILLEHAMMER – PALERMO oder: Suite für eine viertel Kuh« (edition.fotoTAPETA, ET: Juli 2019)

Aus dem Norwegischen von Karl Clemens Kübler und aus dem Italienischen von Andreas Rostek

Texte vom in mehrfacher Hinsicht abseitigen Leben, Texte aus zwei Städten am Rande Europas. Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen Lillehammer und Palermo? Im Norden Norwegens und im Süden Italiens … Man wird sehen. Gemeinsam ist den Autoren Stig Sæterbakken und Nino Vetri auf jeden Fall ein vorurteilsfreier, ironischer zugewandter Blick auf die Existenzen in ihren Städten.

Stig Sæterbakken, Schriftsteller und Übersetzer, geboren 1966, aus dem Leben geschieden 2012. Zahlreiche Romane, mehrere Preise. Sæterbakken war von 2006 bis 2008 künstlerischer Leiter des Norwegischen Literaturfestivals. Auf Deutsch liegen noch keine längeren Prosatexte Sæterbakkens vor.
Nino Vetri, Schriftsteller, Musiker, Buchhändler, geboren 1964 in Palermo, wo er lebt und arbeitet. In der edition.fotoTAPETA sind bisher drei Bücher mit Prosa von Vetri erschienen: »Mamas wunderbares Herz«, »Die letzten Stunden meiner Brille« und »Lume Lume«.

Alexander Häusser: »Noch alle Zeit« (Pendragon Verlag, ET: 14. August 2019)

Der Autor ist auf der Buchmesse in Frankfurt.

Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt Edvard ein Sparbuch, das in seinem Namen eröffnet wurde. Ein kleines Vermögen hat seine Mutter für ihn angesammelt. Warum hat sie ihm das all die Jahre verschwiegen? Steckt vielleicht sein vor 50 Jahren verschwundener Vater dahinter? Jetzt will Edvard die Wahrheit wissen und eine erste Spur führt ihn zu einer Bank in Oslo. Auf der Überfahrt lernt er die junge Berliner Journalistin Alva kennen, die in Norwegen auf Recherchereise ist. Auch sie ist auf der Suche – nicht zuletzt auch nach sich selbst. Eine Reise durch Fjorde, über einsame Hochebenen und an magische Orte beginnt, die beide für immer verändert.

Alexander Häusser, geboren 1960 in Reutlingen, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen; darunter den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg. Sein Roman »Zeppelin!« wurde verfilmt und lief bundesweit in den Kinos. Häusser lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Helga Flatland: »Eine moderne Familie« (Weidle Verlag, ET: September 2019)

Aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger
Die Autorin ist auf der Buchmesse in Frankfurt.

Eine ganz normale norwegische Familie: Mama, Papa, die erwachsenen Kinder Liv, Ellen und Håkon sowie die Enkel Agnar und Hedda. Alle gehen ihren interessanten Berufen nach, verstehen sich gut. Feiern gemeinsam die Feste des Jahres. Treffen sich sonntags mit ihren zum Teil wechselnden Partnern zum Essen bei den Eltern. Im Sommer verbringt man Zeit in der Familien-Hütte in den Bergen.
Und dann das: Am siebzigsten Geburtstag von Papa verkünden die Eltern, dass sie sich scheiden lassen wollen. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Wie in einem Mikado-Spiel, bei dem ein herausgezogenes Stäbchen die Balance zum Einsturz bringen kann, bricht die Familienidylle zusammen, es gibt scheinbar keinen sicheren Boden mehr. Auch das Leben der Kinder gerät in profunde Unordnung. Erzählt wird diese spannende Geschichte über die Untiefen des Familienlebens abwechselnd von Liv, Ellen und Håkon. Durch diesen Kunstgriff gewinnt der Roman einen einzigartigen Perspektivenreichtum und zeichnet konturscharf das Bild moderner Menschen und ihrer Kämpfe, Verletzungen und Träume.

Helga Flatland, geboren 1984, hat für ihren fünften Roman, »Eine moderne Familie« (2017), den »Preis der norwegischen Buchhändler« erhalten. Das Buch wird derzeit in mehrere Sprachen übersetzt – in Norwegen wurden bereits über 100.000 Exemplare verkauft. Helga Flatland hat norwegische Sprache und Literatur an der Universität Oslo studiert und danach ein Aufbaustudium an der Westerdals School of Communication absolviert. Sie lebt in Oslo.

Dagny Juel: »Flügel in Flammen« (Weidle Verlag, ET: März 2019)

Aus dem Norwegischen von Lars Brandt

Dagny Juel schreibt über radikale Gefühle, Ausweglosigkeit und Schuld und über die unbändige Macht der Liebe. Dabei steht zumeist die Frau im Vordergrund, die, im Gegensatz zur vorherrschenden Darstellung der Zeit, nicht unschuldig und passiv ist, sondern einen starken eigenen Willen hat und durchaus zum Bösen fähig ist. Aus dem Nachlass Dagny Juels sind wenige Erzählungen, vier kurze Dramen und einige Gedichte erhalten. Bei allen steht das Gefühlsleben der Figuren im Vordergrund und die Liebe, die als gleichzeitig schaffende und vernichtende Kraft die Schicksale bestimmt.
An das literarische Werk Dagny Juels schließt ein ausführlicher und glänzender Essay von Lars Brandt an. Ausgehend von ihren Texten, zeichnet er das Bild einer Schriftstellerin, die von ihren Zeitgenossen auf ebenso hochfliegende wie widersprüchliche Weise beschrieben wurde. Stück für Stück fördert er die außergewöhnliche Persönlichkeit und die zerrissene Biographie Dagny Juels zutage.

Dagny Juel (1867–1901) hat die Künstlerszene des ausklingenden 19. Jahrhunderts in Norwegen und Deutschland maßgeblich beeinflusst – wenn auch mehr durch ihre Persönlichkeit als durch ihr Werk. Die Norwegerin unterhielt enge Beziehungen zu Künstlern wie August Strindberg, der ihretwegen eine psychiatrische Klinik aufsuchen musste und sie mit gnadenlosem Hass verfolgte, und Edvard Munch, dem sie mehrfach Modell stand, etwa für seine »Madonna«; geheiratet hat sie schließlich den Schriftsteller, Trinker und Satanisten Stanisław Przybyszewski, der ihr Untergang wurde. Sie gilt als »Femme fatale«, doch hat man es sich mit dieser Charakterisierung zu leicht gemacht. Zu Lebzeiten noch relativ unbeachtet, gelangte der Großteil ihres Werks erst Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod an die Öffentlichkeit. Erstmals erscheinen nun ihre gesammelten Texte in deutscher Sprache.

Lars Brandt wurde 1951 in Berlin geboren und lebt mit seiner Frau, der Fotografin Renate Brandt, in Bonn. Auf die Arbeit als Schriftsteller wirken sich seine Erfahrungen als Maler und Filmemacher aus. In Ergänzung seines Dokumentarfilms »Momente des Glücks« für WDR/Arte veröffentlichte er sein Buch »H. C. Artmann – Ein Gespräch über den österreichischen Dichter«. Es folgten der literarische Essay »Andenken« über seinen Vater Willy Brandt sowie die Romane »Gold und Silber« und »Alles Zirkus«. Texte von ihm werden immer wieder im Rundfunk, in Theatern, Literaturhäusern, Museen und Kunstvereinen präsentiert.