Kirchner PR

Zurück zur Übersicht

Newsletter
November 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls am 9. November 2019 möchten wir Ihnen eine Video-Installation der Heinrich-Böll-Stiftung und drei Novitäten aus den Verlagen Faber & Faber, kunstanstifter und Lukas empfehlen.

Mit herzlichem Gruß
Kirchner Kommunikation

»Ab sofort«: Eine Video-Installation der Heinrich-Böll-Stiftung

Zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution setzt die Heinrich-Böll-Stiftung ein visuelles Ausrufezeichen, das zur Auseinandersetzung mit dem historischen Ereignis und zugleich mit unserer Gegenwart anregen soll: Bis zum 10. November ist die Video-Installation »Ab sofort« jeweils von 17.30 Uhr bis Mitternacht auf der Südfassade der Heinrich-Böll-Stiftung zu sehen. Die Projektion auf die über 600 Quadratmeter große Fassade des Stiftungsgebäudes setzt zwei Elemente in Beziehung: eine Auswahl der Parolen der friedlichen Revolution vom Oktober und November 1989 und als dialogischen Kontrapunkt den zum Meme gewordenen Satz: »Das gilt, glaube ich, ab sofort«. Die Parolen mahnen, fordern, wünschen und stehen so in dialektischer Spannung zur letzten Antwort der DDR vor dem Mauerfall. Die künstlerische Montage lädt ein zum Innehalten, Erinnern, Nachdenken, Staunen.

Idee & Konzept: Julian Jungel & Christian Römer
Visuelle Umsetzung: Julian Jungel
Räumliche Interventionsfläche: Grit Wendicke

Christoph Hein & Elmar Faber: Ich habe einen Anschlag auf Sie vor. Der Briefwechsel (Faber & Faber, ET: 20.06.19)

Mit dem mehr als drei Jahrzehnte umspannenden Briefwechsel zwischen Christoph Hein und seinem Verleger Elmar Faber ist im wiederbelebten Verlag Faber & Faber jüngst ein Stück deutsch-deutsche Literaturgeschichte erschienen. Der Band »Ich habe einen Anschlag auf Sie vor« skizziert lebendig das Beziehungsgeflecht zwischen Autor und Verleger und erzählt eindringlich vom Schreiben und Verlegen in zwei Gesellschaftssystemen.

Matthias Friedrich Muecke: Niemandsland. Erinnerungen an eine Kindheit (kunstanstifter; ET: 10.09.19)

Matthias Friedrich Muecke macht das Ostberlin der 1970er-Jahre lebendig: Mit einem genauen Blick für die Besonderheiten und Entbehrungen des Alltags während des Kalten Krieges erzählt er die Geschichte zweier Heranwachsender in Pankow. Vorlaut und unerschütterlich der eine, schüchtern und fragil der andere. Mit Indianerehrenwort schwören sich die Freunde ewige Verbundenheit, gehen gemeinsam durch dick und dünn, erleben die Willkür eines autoritären Systems – und werden schließlich aufmüpfige Teenager, die eine unbändige Gier nach Abenteuern verbindet. Doch das Verlangen nach Freiheit und Unangepasstheit wird ihnen zum Verhängnis – und führt in eine Katastrophe.

Seinen fragmentarisch gehaltenen Kindheitserinnerungen stellt Muecke skurrile, teils verspielte, teils melancholische Schwarz-Weiß Zeichnungen an die Seite, die detailgetreu eine längst vergangene Epoche wiederaufleben lassen.

Frank Blohm (Hg.): Geh doch rüber! Revisited. Ein Ost-West-Lesebuch und seine Geschichte (Lukas Verlag; ET: 10.08.19)

Mit Texten von Jürgen Fuchs, Katja Lange-Müller, Bert Papenfuß, Peter Schneider, Helga Schubert u.v.a.

2019 feiert Deutschland den Fall der Mauer, doch das Verhältnis der Menschen auf beiden Seiten ihres damaligen Verlaufs ist auch nach 30 Jahren vorurteilsbehaftet und oft von Abwertungen geprägt.

1985, als noch niemand ahnt, dass am Ende des Jahrzehnts die Mauer fallen wird, möchte ein Psychologiestudent in Berlin-West der Entfremdung zwischen Ost- und Westdeutschen etwas entgegensetzen. Frank Blohm sucht hüben wie drüben potenzielle Autoren für eine Anthologie über »Ost-West-Begegnungen« auf. Ob Verwandten- oder Freundesbesuch, Polittrip oder touristische Reise – die eingereichten Beiträge zeigen, wie sehr alle Begegnungen von der Ost-West-Dichotomie geprägt sind. Unter dem Titel »Geh doch rüber!« erscheint eine Auswahl der Texte 1986 im Luchterhand-Verlag, herausgegeben von einem vorsichtshalber fiktiven »Per Ketman«.

Nach 1989 tritt zutage, wie sehr die Staatssicherheit das Taschenbuch als Bedrohung der DDR empfunden hatte: Sie kontrollierte und observierte Frank Blohm über Jahre hinweg auch in Westberlin und verbot ihm schließlich die Einreise.

»Geh doch rüber!« kann heute als spannendes Zeitdokument gelesen werden, das die mitunter absurden deutsch-deutschen Verhältnisse der 1980er Jahre widerspiegelt und zugleich die gegenwärtigen Verhältnisse erklären hilft. Die Neuauflage enthält daher die wichtigsten Beiträge der Originalausgabe – ergänzt um die Geschichte des Buches selbst sowie der Stasi-Verfolgung des Herausgebers. Und schließlich blicken viele der Autoren jetzt, gut drei Jahrzehnte später, noch einmal zurück: Wie war es damals – und was ist daraus geworden?