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September 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

junge Stimmen aus Argentinien, Nigeria, den USA, Slowenien und Deutschland widmen sich den drängendsten Fragen des Lebens. Wir empfehlen sechs Debüts aus den Verlagen Berenberg, Elster & Salis, Faber & Faber, Hollitzer, kunstanstifter und Residenz. 

Mit herzlichem Gruß 

Kirchner Kommunikation

Carla Maliandi: Das deutsche Zimmer (Berenberg Verlag; soeben erschienen)
»Ein melancholischer Roman voller wunderbarer Einfälle, in dem das Glück sich wie der Zufall einstellt«, schrieb María Cecilia Barbetta über das Romandebüt der argentinischen Autorin Carla Maliandi, das nun in der deutschen Übersetzung von Peter Kultzen erscheint.
Heidelberg, nur nach Heidelberg. Was genau sie aus Buenos Aires in die deutsche Hauptstadt der Romantik treibt, weiß die namenlose Erzählerin in diesem schnörkellosen und gleichzeitig verwunschenen Romandebüt auch nicht recht. Ganz sicher hat es etwas damit zu tun, dass ihre Eltern vor der argentinischen Militärjunta dorthin geflohen waren, dass sie allerfrüheste Kindheitserinnerungen an die Gassen am Neckar hat, das Schloss, die Hügel, den Nebel. Doch das begleitet diese Geschichte allenfalls wie ein unterirdischer Fluss. An der Oberfläche findet und verliert die junge Frau alte und neue Freunde, probiert Lieben aus, sucht nach Unbestimmtem und traumwandelt durch die Stadt.
Die 1976 geborene Carla Maliandi erzählt eine Geschichte von Leben und Tod, in der die Magie kaum merklich die Wirklichkeit streift.

Shobha Rao: Mädchen brennen heller (Elster Verlag; soeben erschienen)
Die von T.C. Boyle geförderte Schriftstellerin Shobha Rao erzählt in ihrem Debüt-Roman von den drängendsten Problemen, mit denen junge Frauen nicht nur in Indien konfrontiert sind: Armut, häuslicher Missbrauch, Misogynie und Zwangsverheiratung. Ihr gelingt mit »Mädchen brennen heller« ein Roman von tiefer Menschlichkeit über die bewegende Kraft der Freundschaft. Gleichzeitig ist ihr Buch ein wirkmächtiger Beitrag zur Frage, was Feminismus in vielen Teilen der Welt bedeutet. Der Roman wurde von Sabine Wolf aus dem Englischen übersetzt.
Shobha Rao emigrierte im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie aus Indien in die USA und lebt heute in San Francisco. Sie studierte Biomedizinische Technik und Rechtswissenschaften, arbeitete lange als Rechtsanwältin im Bereich häuslicher Gewalt und vertrat insbesondere Opfer mit Migrationshintergrund.

Désirée Opela: In Limbo (Faber & Faber; soeben erschienen)
Die 1988 geborene Autorin Désirée Opela erzählt in ihrem Debütroman von zwei jungen Menschen, die auf der Suche nach Bindung, Orientierung und der eigenen Identität im Endzeitschmerz durch das mondäne München oszillieren.
Lukas lockt einerseits die berufliche Selbstverwirklichung als Praktikant in einem Architektenbüro, andererseits ist ihm jede Gelegenheit zur Realitätsflucht willkommen. Seine Schwester Marie laboriert an ihrer Mutter und hadert mit der optimierungswütigen Leistungsgesellschaft. Ihr Geld verdient sie an der Kasse einer Supermarktkette. »Fürn Anfang okay«.
Opelas Roman spiegelt das Krisenhafte der Millennials: die ständige Ereignislosigkeit schwebt über ihnen wie ein Damoklesschwert, gleichzeitig nagen die großen Fragen des Lebens an ihnen. Erst mit der Auflösung aller Ordnung, dem Kollabieren der Verhältnisse scheint sich ein Fluchtweg aus dem Limbus für das Geschwisterpaar aufzutun. Ein schonungsloser und poetischer Text über das Erwachsenwerden in Zeiten der Ratlosigkeit.

Mirt Komel: Goldman oder Der Klang der Welt (Hollitzer Verlag; ET Oktober 2019)
Die Geschichte von Gabriel Goldman erinnert nicht von ungefähr an den kanadischen Pianisten Glenn Gould. Goldman findet sich in einem New Yorker Krankenhaus wieder, nach einem mysteriösen Vorfall, der eine Berührungsphobie ausgelöst hat. In die Gegenwartsszenerie des Krankenhauses mischt sich die Vorgeschichte eines seltsamen Wunderkindes. Mirt Komels Debüt, eine Mischung aus Bildungs-, Liebes- und philosophischem Roman, beschreibt sprachlich spielerisch und virtuos das eigentlich Unbeschreibliche: Musik.
Mirt Komel ist Schriftsteller und Philosoph. Sein Romandebüt »Pianistov Dotik« stand auf der Shortlist des Kresnik-Preises für den besten slowenischen Roman des Jahres 2015 und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Karen Minden (Illustration) & Marie Luise Kaschnitz (Text): Eisbären (kunstanstifter; soeben erschienen)
Karen Minden hat sich von Marie Luise Kaschnitz‘ Erzählung »Eisbären« in den Bann ziehen lassen und dem Text eine eindrückliche Bildebene geschenkt: Mit ihren feinen Bleistiftillustrationen macht sie die Gefühle und Erinnerungen der Protagonistin lebendig.
Im Zentrum der 1966 erstmals veröffentlichen Erzählung steht eine Frau, die sich für eine Heirat entschied, um nicht allein zu sein. Eigentlich wollte sie nie mit Walther zusammen sein. Doch heute – nach fünf Jahren Ehe – liebt sie ihn. Ihm hingegen war stets klar, dass sie zu Beginn ihres Miteinanders jedes Mal nach einem anderen Ausschau hielt, wenn sie ihren Kopf nach rechts und nach links wendete – wie die Eisbären, an deren Gehege im Zoo sie sich kennengelernt hatten. Er nannte sie seinen Eisbären: Ein Verdacht, den sie für einen Kosenamen hielt. Eines Nachts kommt es endlich zum Gespräch: Über das gemeinsame Leben, die Liebe und die Lügen.
Karen Minden, 1989 in Berlin geboren und aufgewachsen, studierte im Bachelor Druckgrafik an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris und Visuelle Kommunikation an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Dort entwickelte sich ihre Liebe zum Bleistift, die auch nach Abschluss ihres Masterstudiums an der Universität der Künste Berlin im Fachbereich Illustration nicht erloschen ist. In Berlin lebt und arbeitet sie als freie Illustratorin und Grafikerin. »Eisbären« ist ihr Buchdebüt.

Abubakar Adam Ibrahim: Wo wir stolpern und wo wir fallen (Residenz Verlag; soeben erschienen)
Für seinen ersten Roman wurde Abubakar Adam Ibrahim 2016 auf Anhieb mit dem 100.000 US-Dollar dotierten Nigerianischen Literaturpreis ausgezeichnet. Nun erscheint »Wo wir stolpern und wo wir fallen« (Orig. »Season of Crimson Blossom«), aus dem Englischen übertragen von Susann Urban, auf Deutsch.
Ibrahims Darstellung weiblicher Sexualität und Emanzipation in diesem Debüt galt 2015 als Tabubruch in seiner konservativen Heimat Nordnigeria und erregte auch international Aufsehen. Der Roman handelt von der ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen der 55-jährigen Witwe Hajiya Binta Zubairu und dem 30 Jahre jüngeren Dealer und Kleinkriminellen Reza. Die Anziehungskraft, die sie erfasst, das Begehren, das ihnen selbst ein Rätsel bleibt, verstößt gegen alle Regeln der traditionellen muslimischen Gesellschaft. Erzählt wird diese Amour fou vor dem Hintergrund von Gewalt und Korruption, politischen Unruhen und Morden, die die nigerianische Geschichte der letzten Jahrzehnte geprägt und sich traumatisch in unzählige Familien eingeschrieben haben.